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10.11.2017, 17:07

„Hallo Jamaika: Neue Agrar­poli­tik jetzt!“

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Die industrielle Land­wirt­schaft ist die größte Be­dro­hung für unsere heimi­sche Natur. Sie ver­nich­tet den Lebens­raum vieler Tier- und Pflan­zen­arten. Und sie ge­fähr­det durch den mas­si­ven Ein­satz von Pesti­ziden und Dünge­mitteln auch unsere eige­nen Lebens­grund­lagen.

Unter dem Motto „Hallo Jamaika: Neue Agrar­poli­tik jetzt!“ haben Sie jetzt auf www.NABU.de/neueAgrarpolitik die Mög­lich­keit, sich für eine faire, ge­sun­de und natur­ver­träg­liche Land­wirt­schaft ein­zu­setzen. ...

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Wanderung um die Kernzone am Humbergturm mit Erläuterungen zum Konzept des Biosphärenreservats

Logo: Forstamt Kaiserslautern

Gemeinsam mit dem Forstamt Kaiserslautern hatten wir am 21.09.2010 zu einer Umwanderung der Kernzone im südlichen Stadtwald von Kaiserslautern eingeladen.

Hier oder links in der Menüspalte über Bilder kommen Sie zu Fotos von der Wanderung.

Kaiserslautern liegt am nördlichen Rand des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen. Direkt südlich des Humbergturms beginnt das Gebiet der Kernzone . Dabei wollen wir uns unter Anderem folgende Fragen beantworten lassen: Was sind: Biosphärenreservate, Kernzone, Naturpark, Naturschutzgebiet, ... und warum gibt es sie?

Ziel der Veranstaltung war das Thema Biospährenreservat und die Zwecke der damit definierten Zonen an die Bevölkerung von Kaiserslautern zu vermitteln. Es ist leider so, dass die Landesregierung den Kommunen und dem Forst die Beschilderung untersagt hat, damit es landesweit zu einem einheitlichen Layout kommt. Auf die Umsetzung durch das Land warten nun alle Beteiligten und der Naturschutz bereits seit der Ausweisung zum Biospärenreservat im Jahr 1992, also seit 18 Jahren!

Das ist besonders für die Kernzonen wichtig, denn diese sollen sich als vom Menschen zukünftig völlig unbeeinflusste, also auch nicht mehr zu betretende Naturwaldgebiete entwickeln. Dies soll eine genetische Vermischung mit Arten von Außerhalb verhindern und der Natur eine unbeeinflusste Entwicklung ermöglichen, die später auch für wissenwschaftliche Vergleiche benötigt werden könnte. Doch wie kann erwartet werden, dass die Menschen diese Flächen (<2,5% des Biosphärenreservats) meiden, wenn sie es nicht erfahren und auch keine Schilder an den noch heranführenden Wegen stehen.

Im Rahmen des Spaziergangs konnten wir auch einen kurz zuvor erst entdeckten Mountainbikeparcour mit tollen Sprungschanzen und Kurven besichtigen. Hier hatten fleißige und kreative Jugendliche mit enorm viel Engagement ein Trainingsgelände gebaut. Die großen mit ihren Wurzelbereichen vom Sturm umgeworfenen Buchen, die der Entwicklung ohne Eingriff des Menschen überlassen bleiben sollen, boten ein gut geeignetes Terrain. Dass dieses ausgerechnet ein einem der am höchsten eingestuften Schutzgebiete in Rheinland-Pfalz errichtet wurde, konnten die Biker aufgrund der bisher noch mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit zu Kernzonen nicht wissen. Schade für die Mountainbiker, doch hier durfte es nicht weiter gehen. Das Gelände wurde daher im Oktober völlig rückgebaut. Genauso erging es die Mountainbikern mit ihrem Parcour bei Dansenberg Ende 2009. Da es ein für Freeride genehmigtes Gelände im Raum Kaiserslautern bisher nicht gibt, wäre es sicher nur eine Frage der Zeit bis irgendwo ein neuer Parcour gebaut und später wieder entdeckt, verboten und zuerstört wird. Daher will sich der NABU Kaiserslautern bei der Suche nach einer legalen Lösung für diese 50-80 Fahrradakrobaten beteiligen. Wir haben bereits eine Idee und schauen in 2011 mal, ob das funktionieren kann.

Leider hat die RHEINPFALZ trotz einer vom Forst und vom NABU eingereichten Presseinformation nicht über die Veranstaltung berichtet oder sie mit etwas Information angekündigt. Daher wurde der Zweck der Informationsvermittlung an bislang weniger an Naturschutz interessierter Bevölkerung nicht erreicht.

Als Referentin konnten wir Fr. Dr. Ute Fenkner-Gies, Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, gewinnen. Neben weiteren Fachleuten von Landesforsten Rheinland-Pfalz kamen auch zahlreiche Mitglieder der Naturschutzverbände aus der Region Kaiserslautern mit zur Exkursion.

Einige Informationen hatten wir in unserer Presseinformation vom 16.09.2010 zusammen gestellt (gemeinsam Forstamt und NABU):

Kernzone in Kaiserslautern
Eine Kernzone ist ein besonders geschützter Bereich im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Aber warum hat Kaiserslautern eigentlich eine Kernzone im Stadtwald? Wo liegt dieses Schutzgebiet, wer hat es geschützt und wie schaut dieser Schutz und die zukünftige Entwicklung dort aus?

Im Jahre 1992 verlieh die UNESCO dem Naturpark Pfälzerwald die Anerkennung als Biosphärenreservat. Damit wurde er zu einem von inzwischen 564 international repräsentativen Modellregionen, in denen Umweltschutz und Wirtschaft verträglich koordiniert oder Mensch und Natur einträchtig zusammen leben sollen. 1998 folgte der Zusammenschluss mit dem benachbarten französischen Naturpark zum grenzüberschreitenden Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Damit wurde eine Naturregion zusammengeführt, die im wahrsten Sinne des Wortes zusammengehört. Schließlich haben der an Frankreich grenzende südliche Pfälzerwald, der Wasgau, und die Vogesen (französisch „Vosges“) sogar sprachlich den gleichen Ursprung.

Der überweigende Teil des Biosphärenreservats ist von Wäldern bewachsen, die fast das gesamte Bergmassiv "Vogesen-Pfalz" bedecken. Diese geografische Einheit, mit dem größten Waldgebiet Westeuropas, gehört nach wie vor zu den sehr dünn besiedelten Räumen. Das hat die Erhaltung einer vielfältigen Natur ermöglicht. Es konnten sich Wildkatzen, Fledermäuse, Wanderfalken oder Zaunammern, ja seit neuestem sogar wieder Luchse, ihren Lebensraum zurückerobern.

UNESCO-Biosphärenreservate haben in Deutschland in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Das zeigt das deutsche Jahr der Biosphärenreservate 2009. das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" globale Forschungsprogramme, beispielsweise zur biologischen Vielfalt, dem Thema des Internationalen Jahres der Vereinten Nationen 2010.

In Deutschland gibt es 15 UNESCO-Biosphärenreservate. Mit dem ehrenvollen Titel „Biosphärenreservat“ sind aber auch Ansprüche an die umweltgerechte Entwicklung des Gebietes verbunden. Charakteristisch für Biosphärenreservate ist die Untergliederung in drei Zonen, die in Bundes- und Landesrecht umgesetzt werden mussten. Die Umsetzung dieser Ansprüche wurde unter Federführung des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz erarbeitet und 2007 als "Landesverordnung über den „Naturpark Pfälzerwald“ als deutscher Teil des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen beschlossen.

Von den insgesamt 310.000 Hektar des Biosphärenreservates liegen 178.000 Hektar im deutschen Teil (Naturpark Pfälzerwald). Davon sind 70% als Zone für dauerhaft umweltgerechte Entwicklungen und Nutzungen (Entwicklungszone) ausgewiesen. In der Entwicklungszone steht die Erzeugung und Vermarktung von umweltschonend produzierten Waren und Dienstleistungen im Vordergrund. Rund 28% sind als Zonen für naturschonende Wirtschaftsweisen (Pflegezonen) ausgewiesen, in denen die landschaftliche Vielfalt, hervorgebracht durch jahrhundertelange Bewirtschaftung der Flächen durch den Menschen, erhalten werden soll. Dazu gehört zum Beispiel die Offenhaltung von Wiesentälern, die ohne Zutun vom Wald zurückerobert würden.
2,1% der Fläche des Biosphärenreservates (3.739 ha) sind Zonen für die natürliche Entwicklung (Kernzonen), in denen die Natur ohne menschliche Eingriffe „freie Hand“ erhält und sich eine regelrechte Wildnis entwickeln wird. Lediglich in festgelegten Bereichen können in einer letzten Übergangszeit noch naturfremde Nadelhölzer wie Douglasie, Weymouthskiefer, und auch Fichte entnommen werden. Besonderer Schutzzweck der Kernzonen ist es , einen vom Menschen weitestgehend unbeeinflussten Ablauf der natürlichen Prozesse zu gewährleisten und hierüber die Eigendynamik natürlicher oder naturnaher Ökosysteme einschließlich der Böden und Gesteine sowie der sich daraus ergebenden Vielfalt an Lebensräumen, Tieren und Pflanzen auf Dauer zu schützen (§4 Schutzzweck in der Landesverordnung). Die Kernzonen sollen daher vom Menschen möglichst nicht mehr betreten werden und so der Natur, aber auch der Forschung als Vergleichsräume und beispielsweise auch als Genreservoir für nachfolgende Generationen dienen.

Auch die Stadt Kaiserslautern, deren südlicher Stadtwald Teil des Biosphärenreservats ist, hatte Flagge gezeigt und die Kernzone „Humberg“ in die Liste der Kernzonen aufnehmen lassen. Die Kernzone Humberg besteht aus den drei Teilbereichen Pauschruhe, Letzbach und Humberg und hat eine Flächenausdehnung von etwa 77 ha.

Wo genau liegt eigentlich die Kernzone Humberg im Stadtwald?
Welche Auswirkungen hat die Ausweisung als Kernzone auf die Forstwirtschaft und damit auch auf den Stadtsäckel?
Wie hat sich die Kernzone seither entwickelt und wie wird es weitergehen?
Kommt der Naturschutz zu seinem Recht?
Was muss der Waldbesucher wissen und beachten?

Zu vielen Fragen wollen das Forstamt Kaiserslautern und der NABU Kaiserslautern und Umgebung interessierten Bürgern eine Antwort geben. Sie laden am Dienstag, den 21.09.2010 um 17:30 Uhr zu einer gemeinsamen Wanderung um die Kernzone am Humbergturm mit Erläuterungen zum Konzept des Biosphärenreservats ein. Referentin ist Frau Dr. Fenkner-Gies, die Leiterin des Forstamtes Kaiserslautern. Treffpunkt ist der Parkplatz am Bremerhof. Im Anschluss ab ca. 20:00 Uhr ist ein gemeinsamer Ausklang im Bremerhof als Kombination mit dem Monatstreff September des NABU Kaiserslautern vorgesehen. Dazu sind Gäste ebenfalls herzlich eingeladen.

 

Karte des Gebietes südlich vom Humbergturm. Der zentrale, größere, dunkelgrüne Bereich ist die ausgewiesene Kernzone.

(Bild anklicken vergrößert)
Karte des Gebietes südlich vom Humbergturm. Der zentrale, größere, leuchtend grüne Bereich ist die ausgewiesene Kernzone. Etwa in der Mitte an ihrem nördlichen Rand ist der Humbergturm. Etwas weiter westlich liegt der Bremerhof.

Link zur Karte auf dem Landschaftsinformationssystem der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz